Der Tschurifetzen

 

Textprobe aus „Tod eines Surfers“

 

Die Kommissarin ging zu dem Toten, schaute konzentriert auf ihn hinunter und versuchte, ihrer inneren Wahrnehmung nachzuspüren. Er lag schräg vor dem Bett auf dem Rücken, der Kopf etwas erhöht am Bettpfosten, beinahe wie angelehnt. Die Beine hatte er von sich gestreckt, unter den Füßen schob sich ein Fleckerlteppich zusammen. Es sah aus, als wäre er ausgerutscht, als er aus dem Bett gestiegen war.
Aber ganz stimmig schien ihr das nicht. Warum hätte er seitlich wegrutschen sollen. Und wenn, dann würde er wohl nicht derart auf dem Rücken liegen. Sie wechselte ein paarmal die Perspektive und versuchte nachzuvollziehen, wie er gefallen sein könnte. Folgte der Richtung, in welche seine Beine zeigten. Dort befand sich eine hohe Kommode, auf der alles Mögliche abgelegt war. Auch zwei Kerzenhalter standen da, die Stabkerzen allerdings lagen irgendwo auf dem Kastel und die Oberfläche war mit Wachsflecken bekleckert.
Das Doppelbett war sichtbar benutzt, aber nicht extrem aufgewühlt. Ein Wilder dürfte er nicht gewesen sein, der Herr Holzbauer.
Plötzlich stach Luise etwas in die Augen. Unter der Hüfte der Leiche schimmerte es hell. Sie machte schnell ein Foto mit ihrem Handy und zog dann vorsichtig an dem Fundstück. Ein kleines seltsam verschrumpeltes Gästehandtuch kam zum Vorschein und darin eingeschlagen befand sich ein gebrauchtes Kondom.
»Ein Tschurifetzen!«, rief sie glücklich. »Da könnten wir gut und gerne die DNA der Dame drauf finden«.
»Die wird auch so im Bett sein und auf dem Weinglas da vorne wohl ebenso«, warf Grümpl ein.
»Aber es sind drei Gläser. Er muss ja nicht mit beiden …«
»Aber er könnte«, konstatierte der kleine graue Mann.
»Was du für eine Fantasie hast«, neckte ihn die Kommissarin. »Doch … mit nur einem Präserl?«
»Luise, bitte! Ich werde dir doch die verschiedensten Konstellationen hier jetzt nicht erklären müssen«, gab der Kollege grinsend noch einmal Kontra.

 

Und wer nicht weiß, was ein Tschurifetzen ist, bitte sehr:

 

tschurifetzen

 

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