Die Pimpernell

 

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»Rennt die immer so um«, fragte der junge Uniformierte verstört, der die Pimpernell noch nicht kannte.
»Ja, so ähnlich«, musste ihr Kollege Grümpl bestätigen.
Ziemlich groß, und auch einigermaßen übergewichtig, war Oberst Luise Pimpernell wie immer höchst eigenwillig gekleidet. Sie trug einen weiten Rock mit Gummibund, der fast bis zu den Knöcheln reichte und darunter blitzten ihre geliebten Haferlschuhe hervor, die ihrer Gangart die Bezeichnung „Dragoner“ eingebracht hatten. Ihre Weste schien selbstgestrickt (und war es auch, weil sie sich beim Stricken am besten entspannen konnte), war aber schief zugeknöpft. Schräg über die Brust lief der Riemen einer alten bockigen Schweinsleder-Schultasche mit Schnappschloss, die sie auf den Rücken geschoben trug. Und das alles wurde von einem abgewetzten Jägerhut gekrönt.
Denn … »niemand hat Luise je ohne Hut gesehen«, führte der um 15 Jahre jüngere Kriminalabteilungsinspektor weiter aus.

Es ist ein skurriles Ermittlerduo, das da im burgenländischen Seewinkel auf Mörderjagd geht.
Im Gegensatz zu seiner Vorgesetzten ist Roman Grümpl nämlich ein kleiner, zarter Mann, dessen sorgfältiges Erscheinungsbild von Grau dominiert wird. Graue Haare, graue Augen, graue Anzüge, graue Socken und Schuhe.
Doch teilen die beiden die gleiche Arbeitsauffassung, den Humor und ihre Liebe zur burgenländischen Hausmannskost und einem guten Tröpferl Wein.

 

Luise Pimpernell wohnt in dem fiktiven Zweitausendseelendorf Schilfern am See im burgenländischen Seewinkel. Der von ihrer Großmutter geerbte Hakenhof, an dem sie so wenig wie möglich verändert hat, ist ihr privates Refugium, in dem sie sich von ihrer oftmals bedrückenden Arbeit erholt.
Dafür hat sie einige Rituale.
Beruf und Privates werden total getrennt.
Sie gibt ihren Job quasi am Hoftor ab. Nur die unumgänglichsten Anrufe werden in ihren für sie heiligen Hallen getätigt.

 

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Weiters pflegt sie Spaziergänge über die sogenannte Lavendelhöhe, auf die sie direkt von ihrem Stadel an der Hinterseite des Hofes aufsteigen kann. Der langgezogene Wagram, mit seinen ordentlichen Rebenzeilen und dem Ausblick auf die Weite des Sees ist für sie der Ort, wo sie in sich geht, Energie auftankt und ihre Kraft damit festigt.

 

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Dann strickt und häkelt sie auch noch gern und das am liebsten bei amerikanischer Jazzmusik aus den Fünfzigern.
Und zu guter Letzt hat sie auch ein Faible für alte Autos. In Jugendjahren wollte sie sogar KFZ-Mechanikerin werden und schraubte deshalb selber an ihren Vehikeln herum. Jetzt ist ihr das doch schon zu mühsam, aber sie teilt diese Leidenschaft mit ihrem Neffen Sebastian, der sich deshalb für deren Wartung zuständig zeigt. Sie selber putzt und poliert nur noch leidenschaftlich an ihren Schätzchen herum.

Apropos Neffen. Die Familie ist ein weiterer wichtiger Bestandteil von Luises Leben.
Die Familie Pimpernell ist eine alteingesessene Weinbauernfamilie in Schilfern. Die Eltern sind schon tot, aber sie hat zwei Brüder, mit denen sie sich gut versteht. Auch mit ihren Schwägerinnen. Dem älteren Nepomuk gehört der traditionelle Weinbau- und handelsbetrieb, dem jüngeren Albert einer der beiden Heurigen im Ort.

Sie ist unverheiratet – warum wird im Laufe der Zeit erzählt -, aber ihre drei Neffen haben viel Zeit in ihrer Kindheit bei ihr verbracht. Der Draht zu ihnen ist deshalb ein ganz besonderer.

 

 

verwandstschaft kollegenschaft gesellschaft

 

 

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